Erotischer Roman: Gefangene des Scheichs

Samstag, Januar 14, 2012 @ 06:01 PM  stk

Cassandra Nortons Roman spielt um 1920 und dreht sich um Victoria Stockbridge, eine junge Adelige, die mit ihren Eltern in London lebt. Gemäß alter Traditionen soll sie alsbald einen Mann, der den Erwartungen ihrer Herkunft gerecht wird, finden und diesen heiraten. Doch Victoria würde lieber aus den Konventionen ausbrechen. Sie wünscht sich, ein Mädchen des Mittelstandes zu sein, das ihren Ehemann frei wählen und einen Beruf, beispielsweise den der Sekretärin, ergreifen kann.

Faszination des Unbekannten

Eines Tages taucht Nicolas Whitney auf. Er ist von Beginn an anders als die anderen Gäste, die ihre Eltern sonst auf ihrem Anwesen empfangen. Seine unangepasste Art findet bei Victorias Mutter keine Zustimmung. Dennoch lässt sie sich von ihrem Mann dazu überreden, einen Vortrag Whitneys zu besuchen. Dort erzählt dieser von dem geheimnisumwobenen Land Saramaa in Arabien. Victoria ist beeindruckt von dem Einblick in andere Welten – und von Whitney. Als sie sich nach dem Vortrag allein vor dem Gebäude aufhält, erfährt sie, wie leidenschaftlich dieser Mann sein kann. Von nun an hat Nicolas sie endgültig in seinen Bann gezogen. Victoria kann ihre Gedanken nicht mehr von ihm abwenden und befriedigt sich in dieser Nacht zum ersten Mal selbst. Damit hat sich für die Protagonistin nun endgültig eine neue Welt geöffnet, die sie nicht mehr missen möchte.

Wenig später wird eine Soiree veranstaltet, um für Victoria einen Mann zu finden. Dort begegnet sie Nicolas schließlich wieder. Sieht es anfangs noch so aus, als würde er kein Interesse mehr an ihr haben, erlebt Victoria an diesem Tag die bis dahin aufregendste Nacht ihres Lebens. Diese bleibt nicht ohne Folgen. Victoria soll für mehrere Monate auf eine einsame Insel verbannt werden, um ihren Ruf in der Gesellschaft wieder herzustellen. Den Morgen der Abfahrt nutzte sie jedoch zur Flucht. Sie will Whitney, der bereits auf dem Rückweg nach Arabien ist, unbedingt wiedersehen und nimmt dafür eine lange Reise ins Ungewisse auf sich.

Kritik

Die sich nun anschließende Zugfahrt wird sehr lang beschrieben. Dadurch geht die Spannung etwas verloren. Auch die Personen, die Victoria während ihrer Reise kennenlernt, spielen später nur noch eine untergeordnete Rolle. Generell gewinnt man im Mittelteil des Buches den Eindruck, dass die erotischen Szenen zu kurz kommen. Ein wenig schade ist außerdem, dass Victoria die Notizen, die sie zu Beginn ihrer Reise in ein am Bahnhof erworbenes Buch schreibt, nicht weiterführt.

Konträr wirkt die Tatsache, dass Victoria sich von den strengen Regeln und Pflichten ihrer Familie lösen und ein selbstbestimmtes Leben führen wollte, sich nach ihrer Flucht jedoch zunächst von Whitney unterdrücken lässt. Auch Whitneys schneller Wandel vom Liebhaber mehrerer Frauen zum treuen, verliebten Mann wirkt nicht authentisch. Das Ende des Romans hätte man durchaus noch etwas ausbauen können. So erfährt der Leser zwar, ob es zu einem Happy End mit ihrem Geliebten kommt, allerdings bleibt offen, ob es eine Versöhnung mit ihrer Familie gibt.

Sprachlich hingegen ist dieses Buch wirklich gelungen. Dadurch schafft es der Roman sogar, auch diejenigen anzusprechen, die sich sonst mehr für Gegenwartsliteratur begeistern. Lediglich Begriffe wie „Schwanz“ und „Loch“ wirken zwischen Wörtern wie „generös“ und „Amusement“ unpassend.

Fazit

Obwohl es sprachlich überzeugt, blieb das erhoffte Feuerwerk an erotischen Szenen leider aus. Für alle diejenigen, die jedoch neben prickelnden Momenten ebenso einen Einblick in die damalige Zeit gewinnen möchten, könnte dieses Buch durchaus das Richtige sein.

Cassandra Norton

Gefangene des Scheichs

Plaisir d´Amour Verlag, ca. 190 Seiten

ISBN: 978-3-93828171-0

14,90 Euro

(NR)

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