Filmkritik: „Liebe mich“ – Porno oder Drama?

Samstag, März 27, 2010 @ 09:03 PM  stk

Wie liebt eine Frau einen Mann?“

Toronto, Anfang der 2000er Jahre. Leila (Lauren Lee Smith) ist Trennungskind und Einzelgängerin. Sie liebt Sex und lebt diesen frei aus. Beziehungstechnisch ist sie jedoch relativ unerfahren, bis sie auf David (Eric Balfour) trifft. Beide fühlen sich sofort voneinander angezogen. Das Kribbeln wird durch dahin gehauchte Worte, musternde, anregende Blicke und langsame, erotische Hintergrundmusik verstärkt. David und Leila lernen sich schnell kennen, ohne sich wirklich zu kennen. Ihre Leidenschaft bringt sie schnell von draußen in David`s Wohnung, in der sie das erste mal Sex haben. Ihre Affäre intensiviert sich, nicht nur dadurch, dass sie oft Sex haben, sondern auch dadurch, dass David’s Vater stirbt und er schließlich Trost bei Leila sucht. Sie kann ihm allerdings nicht das geben, was er braucht und verlässt ihn verstört. Daraufhin versucht sie ihr altes, promiskuitives Leben wider auf zu nehmen. Aber es funktioniert nicht. Sie merkt, dass David ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Dieser ist bereits zu seiner Ex-Freundin zurückgekehrt und will Leila nicht mehr sehen. Einige Zeit vergeht, jedoch können beide ihre Faszination für den anderen nicht verdrängen. David versucht Leila nun näher kennenzulernen und läuft ihr nach, bis sie sich endlich ihren Gefühlen hingibt.

Liebe mich“ ist ein erotisches Drama, das von Sex- und Masturbationsszenen und dem chaotischen Gefühlsleben einer jungen, sinnlichen Frau handelt. Der Film verbindet somit auf eine Art Pornographie mit einem gewissen Anteil an Drama. Die Charaktere erscheinen sehr flach, denn die vielen Sexszenen lassen kaum Raum für eine Weiterentwicklung der Figuren. Ihre sozialen, familiären und individuellen Hintergründe bleiben weitgehend unbeleuchtet. Die Beziehungen zu ihren Familien werden zum Beispiel nur angeschnitten. Das Verhältnis zwischen David und seinem Vater scheint sehr eng zu sein, wird aber in keiner Szene ausführlicher behandelt. Zudem wird dies dadurch entkräftet, dass der Vater relativ früh (in der Handlung) stirbt.

Auch bei Leila bleibt die Beziehung zu ihren Eltern weitgehend unergründet. Die Zuschauer erfahren zwar, dass ihre Mutter sich von ihrem Ehemann scheiden lässt, und sehen Leila deshalb bei der Auswahl einer neuen Wohnung für ihre Mutter, trotzdem kommt nicht viel von der Mutter-Tochter-Beziehung beim Zuschauer an.

Die Nicht-Liebes-Szenen kommen einfach zu kurz. Es wird kein komplexes Gefüge der Familienverhältnisse zugelassen und somit ein Blick hinter die Charakterzüge der Protagonisten verwehrt. Man erfährt zum Beispiel nie, warum Leila an vielen Orten allein und verträumt herumstromert. Häufiger sieht man sie und David dafür beim Sex.

Man könnte nun daraus schließen, die Handlung entspräche einem einfach gestrickten Pornofilm. Dem ist allerdings nicht so, denn die Sexszenen haben eine weitaus tragendere Rolle, als es zunächst vermuten lässt. Sicherlich erfüllen sie den allgemeinen Wunsch nach Ästhetik und sexueller Lust, dennoch bedienen sie verstärkt eine emotionale Komponente. Die körperlich-aktive Leidenschaft spiegelt das Gefühlsleben physisch wider, denn die Faszination zwischen beiden Protagonisten bleibt ja gerade deshalb bestehen, weil sie nicht viel miteinander reden und nicht viel übereinander wissen, sondern eher zu Taten schreiten, in ihrem Fall, meist Sex haben.

Die Dramatik der Gefühle zeigt sich also nicht nur in Worten, sondern besonders in sexuellen Aktivitäten. Man kann die vielen Sexszenen, die in jedem Fall – um dies hier nicht misszuverstehen – nicht als erniedrigend dargestellt sind, sondern durchaus authentisch und leidenschaftlich gespielt werden, demnach auch als Stärke des Films auslegen. Die Darstellung jugendlicher Triebe verlangt eben weniger Worte und mehr Taten. Sex ist in diesem Zusammenhang einfach aussagekräftiger.

Letztendlich ist „Liebe mich“ ein Erotikdrama, welches das Thema Sex aus der Perspektive einer Frau, die auf dem Weg ist, sich selbst zu finden, in sexueller sowie aus beziehungstechnischer Sicht, aufgreift. Und gerade diese Perspektive macht den Umgang mit dem Thema vielleicht etwas gesellschaftsfreundlicher. Möglicherweise ist „Liebe mich“ eine Art Wegbereiter zu einem offeneren Umgang mit weiblicher Sexualität.

Liebe mich – Originaltitel: Lie with me

Kanada: 2005

Regie: Clément Virgo

FSK: 16


Katrin Hartmann

Deutscher Trailer zu \”Liebe mich\” auf youtube.com

Mehr erotische Filme …

9 Songs

Kommentare geschlossen.