Interview: Natascha Sagorski “Don’t call it Pussy!”
NATASCHA SAGORSKI ÜBER weibliche Gehirnströme, peinliche Kosenamen und Männer, die sich einfach nicht vom Zehenlutschen abhalten lassen.
In »Don’t call it Pussy!« schreiben Sie über 33 Dinge, die Männer endlich über Frauen lernen sollten. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Gab es einen bestimmten Auslöser?
Einen? Wenn man mit einem Mann zusammenlebt oder auch im Alltag regelmäßig mit Männern zu tun hat, fragt man sich als Frau doch andauernd, warum die Kerle uns einfach nicht verstehen können! Wir wollen nicht wissen, wie dünn seine Exfreundin ist und wir haben auch nicht vor, Schluss zu machen, nur weil wir mal keine Lust auf Sex haben! Und wir sind eben sauer, wenn ein Mann am Telefon mit uns redet als ob wir wildfremde Callcenteragenten wären! Ernsthaft, ich glaube für dieses Buch gab es mehr Auslöser als für irgendein anderes auf dieser Welt …
Der Titel Ihres Buches ist ziemlich provokativ. Wieso haben Sie ihn ausgewählt?
Weil er einfach wahr ist und gleich den ersten Tipp für die Männerwelt darstellt. Dämliche Kosenamen (nicht nur für Geschlechtsteile) sind einer der größten Abturner, die ein Mann bringen kann! Ich habe hin und wieder das Gefühl, dass sich manche Männer, wenn sie sich gerade besonders unwiderstehlich fühlen, plötzlich wie Pseudo-Gangster-Rapper verhalten und anfangen von Babes und Pussys zu sprechen. Dabei sind die meisten Frauen nun wirklich nicht scharf darauf, mit einem Ice-T-Verschnitt ins Bett zu gehen!
Seit Jahren boomt der Markt für Beziehungsratgeber. Was unterscheidet »Don’t call it Pussy!« von anderen Büchern, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, das Zusammenleben von Mann und Frau zu vereinfachen?
Ich versuche, nicht wissenschaftlich zu analysieren, welche Gehirnströme bei Männern anders verlaufen als bei Frauen oder ob Männer und Frauen von verschiedenen Planeten abstammen. Ich habe mir beim Schreiben einfach vorgestellt, ich würde meinem besten Freund erklären, wie wir Frauen ticken. Ganz ehrlich, offen und ohne Drumherumgerede. Wir Frauen sind schon kompliziert genug.
Wie können wir uns die Recherchearbeit zu Ihrem Buch vorstellen? Die beste Freundin, drei Flaschen Prosecco und kein Mann weit und breit?
Ein Buch für Männer zu schreiben, ohne diese Spezies in die Recherche einzubeziehen, wäre nicht sonderlich sinnvoll gewesen. Deswegen habe ich sehr ergiebige Gespräche mit Jungs darüber geführt, welche Dinge sie an uns Frauen überhaupt nicht verstehen können. Im Anschluss habe ich natürlich auch Frauen interviewt – das war sogar noch ergiebiger! Die meisten Mädels fanden es super, sich für einen guten Zweck so richtig über Männer auskotzen zu können und klar, da durfte das ein oder andere Glas Prosecco keinesfalls fehlen …
Warum benötigen Ihrer Meinung nach gerade Männer einen Leitfaden, um das andere Geschlecht besser zu verstehen?
Zugegeben, wir Frauen verstehen das andere Geschlecht auch nicht immer. Warum Männer bei jedem Fußballspiel den Fernseher anbrüllen, als ob es um ihr Leben ginge oder weshalb sie beim Anblick eines iPads feuchte Augen bekommen, können wir nicht wirklich nachvollziehen. Aber wir versuchen es zumindest! Wenn ein Kerl nach dem zweiten Date plötzlich nicht mehr anruft, werten wir das mit unseren Freundinnen stundenlang aus. Männer dagegen analysieren höchstens die Torbilanz von Bastian Schweinsteiger, nicht aber das Verhalten einer Frau. Wenn sie nicht mehr anruft, ruft sie eben nicht mehr an. Warum sie das nicht tut, wird kaum hinterfragt. So wird Mann nie aus seinen Fehlern lernen und immer wieder den gleichen Mist verzapfen.Wenn Männer das Verhalten von Frauen also nicht selbst analysieren, muss es jemand anderes für sie tun und zwar so, dass sie es auch nachvollziehen können – einfach, direkt und ohne Gefühlsduseleien. Und genau das tue ich in Don’t call it Pussy!.
Sex, Mode, Autos, Wohnungs- und Körperpflege, Treue, Job und Karriere oder die Vorstellungen vom perfekten Heiratsantrag – bei welchem Thema besteht der größte Klärungsbedarf zwischen den Geschlechtern?
Als ich meine Interviewpartnerinnen gefragt habe, was sie an Männern am meisten stört, hatten viele tatsächlich zuallererst ein Sex-Thema auf dem Herzen! Dicht gefolgt von den Themen Telefonieren (können Männer nicht), Exfreundinnen (und andere Frauen im Allgemeinen), Autofahren (besonders ätzend: männliche Beifahrer), Krankheiten (Schmerzensschreie wegen eines kleinen Schnupfens), Zusammenziehen (Tut nicht weh!) und Shopping (Was haben Männer nur gegen Schuhgeschäfte?). Diese Liste ließe sich noch beliebig erweitern. Es gibt einfach zu viele Dinge, bei denen noch Klärungsbedarf besteht.
Mit Ihrem Buch verschaffen Sie den Herren der Schöpfung Zutritt zur weiblichen Gedanken- und Gefühlswelt. Ganz ehrlich: Ist diese wirklich so komplex oder sind Männer einfach nur schwer von Begriff?
Männer sind nicht schwer von Begriff – sich mit der weiblichen Gefühlswelt auseinanderzusetzen ist ihnen nur viel zu anstrengend. Natürlich sind wir Frauen kompliziert. Weil wir eben geheimnisvoll, vielschichtig und einzigartig sein möchten. Welche Frau empfindet es schon als Kompliment, wenn sie als schlicht und durchschaubar bezeichnet wird? Andererseits regen wir uns darüber auf, dass Männer uns nie verstehen. Aber wie sollen sie das denn auch bitte? Deswegen habe ich versucht, unsere – manchmal etwas verquere – Denkweise in eine Sprache zu übersetzen, die auch Männer verstehen.
Welches ist Ihre persönlich haarsträubendste Erfahrung mit »männlicher Unwissenheit«?
Oje, da gibt es viele! Glücklicherweise habe ich noch nicht solch eine Erfahrung machen müssen, wie sie eine Freundin gemacht hat. Sie hatte eine Affäre mit einem Mann, der felsenfest davon überzeugt war, dass Frauen nur Spaß im Bett haben können, wenn man(n) ausdauernd an ihren Zehen lutscht. Und das hat dieser Kerl dann auch sehr konsequent getan, bis meine Freundin ihn irgendwann aus ihrem Bett geschmissen hat.
Liebe Männer, Regel Nummer 1: Frauen sind unterschiedlich! Nur weil eure Exfreundin auf Zehenlutschen steht, heißt das nicht, dass das jede Frau mag…
In Ihrem Buch wenden Sie sich ehrlich und direkt an alle Männer – und nehmen dabei kein Blatt vor der Mund. Haben Sie keine Angst davor, den Männern vielleicht sogar zu viele Geheimnisse zu verraten?
Darauf haben mich in der Tat ein paar Frauen angesprochen. »Die müssen ja nicht alles wissen!«, war der häufigste Kommentar. Aber alles verrate ich ja auch nicht. Nur das Wichtigste! Wenn Männer uns tatsächlich besser verstehen sollen, müssen sie eben gewisse Dinge über uns wissen. Auch wenn das manchmal aus Frauensicht durchaus peinlich werden kann.
Furchtbare Kosenamen, schwierige Schwiegermütter und seltsame Vorlieben im Bett: Wie spricht Frau im Beziehungsalltag heikle Themen am besten an?
Zunächst ist es wichtig, dass sie sie überhaupt anspricht. Mögen Andeutungen für uns noch so offenkundig und klar sein, die wenigstens Männer werden unser Winken mit dem Zaunpfahl richtig einordnen. Wir müssen klar trennen, ob wir mit unserer Mutter, besten Freundin oder einem Mann kommunizieren. Machen wir am Telefon während einer Diskussion eine bedeutungsschwere Pause, wird unsere Freundin sofort bemerken, dass sie zu weit gegangen ist und uns verletzt hat. Ein Mann geht erst mal davon aus, dass wir vielleicht gerade nur Luft holen mussten oder an einem Schuhgeschäft vorbeigelaufen sind. Aber dass wir in Wirklichkeit stinksauer auf ihn sind, das müssen wir ihm schon sagen. Also Mädels: Mund auf und raus mit der Wahrheit!
Welche drei Sätze möchten Sie persönlich von keinem Mann mehr hören?
1. Ich dachte immer, dass ich meine Exfreundin einmal heiraten würde.
2. Bist du sicher, dass du wirklich die ganze Pizza essen magst?
3. Gemeinsame Wohnungen und Kurzurlaube sind doch völlig überbewertet.
Ganz unter uns: Die Frauen machen es den Männern aber auch nicht immer leicht, oder?
Natürlich nicht! Aber mal ehrlich: Das wollen Männer ja auch gar nicht. Es gibt doch diese weiblichen Kumpeltypen, die stundenlang auf dem Fußballplatz der Kreisliga rumhängen, Make-up und Shopping dämlich finden und aus Prinzip nur Turnschuhe statt High-Heels tragen. Männer finden diese Frauen toll, zumindest wenn es darum geht, mit ihnen ein paar Bierchen zu kippen und einen Film anzuschauen. Als sexy werden diese Kumpelfrauen aber kaum empfunden, zumindest, wenn sie nicht gerade aussehen wie Angelina Jolie (und das tun die wenigsten). Insofern finden die Männer unser kompliziertes Wesen vielleicht gar nicht so schlecht. Sie lieben ja Herausforderungen. Man muss ihnen nur erklären, wie sie diese meistern können …
Angenommen, Männer würden alle guten Ratschläge beherzigen und Frauen wirklich umfassend verstehen: Wäre das nicht irgendwie auch furchtbar langweilig?
Also die Gefahr ist meiner Einschätzung nach denkbar gering. Wenn sich ein Mann nach der Lektüre des Buches auch nur an die Hälfte der Tipps hält, wäre das schon ein großer Erfolg. Und ich verrate ja auch nicht alle unsere weiblichen Eigenheiten und Denkweisen. Es bleibt also genug Spielraum für Geheimnisse und weitere spannende Episoden zwischen Mann und Frau. Aber uns wenigstens ein bisschen besser verstehen, das könnten die Jungs doch wirklich endlich mal!
Zehn Dinge, die Männer über Frauen wissen sollten- von Natascha Sagorski
1. Keine von uns heißt »Pussy«!
2. Wir finden eure Exfreundinnen doof, egal wie nett sie angeblich auch sein mögen!
3. Es gibt Tage, an denen haben wir keine Lust auf Sex und das hat gar keinen bestimmten Grund. Es ist einfach so. Ehrlich!
4. Ja, auch wir müssen manchmal auf die Toilette gehen. Aber wir reden nicht darüber!
5. Wir essen NICHT alle nur Salat und Eiweißomelettes, ergo wiegen wir auch nicht alle bloß 45 Kilo! Dafür sind wir dann aber auch nicht permanent hungrig und zickig.
6. Wir sind nicht sauer, wenn ihr uns beim Einparken eure Hilfe anbietet – so lange ihr nicht dabei lacht.
7. Wir meinen nicht immer »Nein«, wenn wir »Ja« sagen und umgekehrt. Nur manchmal.
8. Wenn wir euch die Frage stellen, ob wir in einem Kleid dick aussehen, wollen wir wirklich die Wahrheit hören. Im Ernstfall aber bitte nett verpackt.
9. Wir freuen uns, wenn ihr sagt, dass ihr uns ungeschminkt schön findet. Aber wir glauben es euch nicht.
10. Telefonieren ist für uns fast genauso wichtig wie Atmen. Also lernt endlich, wie das richtig geht! Lange Sätze tun auch am Telefon nicht weh!
Natascha Sagorski
Don’t call it Pussy!33 Dinge, die Männer endlich über Frauen lernen sollte
9,95 EUR (D)
ISBN 978-3-86265-121-4
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2012
www.schwarzkopf-schwarzkopf.de
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